Jedes Tiergespräch ist etwas Besonderes.
Doch mitunter muss der Druck erst groß genug sein, bevor wir uns aufmachen und Hilfe suchen. Etwas in uns will reifen, damit wir offen werden und genügend Mut für den nächsten Schritt aufbringen.
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So ging es mir auch mit unserem Hund und meinem Weg zur Tierkommunikation.
Wenn man einen Hund aus dem Tierschutz adoptiert, dann hat man im Hinterkopf, dass er durch schwierige Zeiten gegangen ist. Und das Letzte, was ich wollte, war, ihm in meiner Obhut weitere Wunden zuzufügen.
Die Monate vergingen, und es gab viele Erlebnisse mit Pinto, auf die ich mir keinen Reim machen konnte.
Irgendwann hatten sich in meinem Kopf so viele Fragezeichen angesammelt, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah.
Meine Angst, etwas falsch zu machen, wurde trotz aller Bemühungen nicht kleiner, sondern eher größer. Und ich befürchtete, Schaden anzurichten, obwohl ich in bester Absicht handelte.
Ich hatte insbesondere Angst davor,
- dass es Pinto nicht gut ging
- dass ihn Schmerzen plagen könnten
- dass wir seinem Bedürfnis nach Nähe und Distanz nicht gerecht wurden
- dass das Anlegen von Geschirr oder Halsband für ihn unerträglich war
- dass er mit Hunden und Menschen zusammen sein musste, die er nicht mochte
- dass er uns immerfort Mitteilungen machte, die wir nicht verstanden.
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Diese Sorgen beschäftigten mich auch nachts noch, wenn ich dalag und über die Ereignisse des Tages nachdachte.
Irgendwann fiel mir ein, dass mir eine Bekannte von der Tierkommunikation erzählt hatte. Ihr selbst und ihrer Katze habe das sehr geholfen.
Ja, dachte ich. Das ist es. Jemand muss mit Pinto sprechen; sonst kommen wir nicht weiter.
Ich erinnere mich noch an mein mulmiges Gefühl vor dem ersten Tiergespräch.
Das tauchte weniger deshalb auf, weil die Sache an sich völlig neu für mich war. Sondern eher, weil ich Angst vor Pintos Aussagen hatte.
Wer fragt, der bekommt auch Antworten. Und was mache ich dann mit denen???
Was, wenn dabei heraus kommt, dass unser Hund sich bei uns nicht wohlfühlt?
Was, wenn er Schmerzen hat, obwohl der Tierarzt nichts findet? Und was, wenn er ums Verrecken nicht an die Leine will?
Aber es musste etwas passieren. Und wir würden schon Lösungen finden, wenn wir endlich wussten, was Sache war. Ich vermute, mit dem ersten Hund ist es ähnlich wie mit dem ersten Kind. Man achtet auf jeden Pieps und hat ständig die Sorge, Fehler zu machen. Und doch wächst man mit den Aufgaben.
Also schickte ich meine Fragen ab und übte mich in Geduld.
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Es würde ein bisschen dauern, bis ich die Antworten aus dem Tiergespräch übermittelt bekäme.
Als es so weit war, öffnete ich mit Herzklopfen das Protokoll, das die Tierkommunikatorin erstellt hatte … und sofort kamen mir die Tränen.
Wenn sich ein Tier auf so intime Weise öffnet und mitteilt, dann kann das sehr berührend sein.
Schon beim Lesen der ersten Zeilen bestätigte sich mein Gefühl, dass Pinto großen Wert auf Abstand und Respekt legte. Er drückte das wohl im Alltag aus, aber ich konnte es nicht recht greifen und fragte mich immer wieder, ob ich sein Verhalten richtig interpretierte.
Es war ihm wichtig, selbst bestimmen zu können, wer ihm in welcher Form nahe kam.
Das verstand ich sehr gut … schließlich geht es mir nicht anders.
Auch entnahm ich seinen Schilderungen, dass ihm einige Dinge wirklich unangenehm waren. Er bezog sich auf Ereignisse aus der Vergangenheit, die Spuren hinterlassen hatten. Deshalb war es ihm heute umso wichtiger, die Kontrolle zu behalten und sich nur so weit zu öffnen, wie es ihm sicher erschien.
Das ging mir sehr zu Herzen, und auch hier verstand ich ihn auf Anhieb.
Es war verblüffend und irgendwie auch wohltuend, wie nah unsere Bedürfnisse hier offensichtlich beieinander lagen.
Und als würde Pinto das ebenfalls sehen, sagte er der Tierkommunikatorin:
„Sie haben mich aus einem bestimmten Grund ausgesucht, und nichts kommt von ungefähr“.
Seine Klugheit und Weisheit haben mich in all den Jahren, in denen er uns nun schon begleitet, oft beeindruckt. Damals bekam ich einen Vorgeschmack davon.
Vieles von dem, was in Pintos Gesprächsprotokoll stand, bestätigte das, was ich intuitiv bereits erfasst hatte.
Manche Antworten waren etwas verschlüsselter und durften erst einmal sacken. Auch nahm er sich das Recht, auf meine Fragen so einzugehen, wie es ihm entsprach, nämlich mit einer gewissen Zurückhaltung.
All das schwarz auf weiß zu lesen, hat mir ermöglicht, hinter die Kulissen zu schauen und dort sein Wesen und seinen Charakter zu erfassen.
Es war, als könne ich ein Stück weit in ihn hineinsehen, durch die äußere Hülle hindurch.
Sein Körper und sein Verhalten drückten bereits sehr viel aus, doch war das für mich nur die halbe Miete.
Durch diese viel subtilere Art des Austausches entstand eine völlig neue Beziehung.
Eine Beziehung mit viel mehr Nähe - in der gerade deshalb auch eine achtsame Distanz sein durfte.
Nachdem diese Tür einmal geöffnet war, folgten noch viele weitere Gespräche.
Bis heute empfinde ich diese Möglichkeit der Verständigung als ein Wunder, das ich schwer greifen kann. Das Wunder ereignet sich an einem Ort jenseits von Zeit und Raum und Körperlichkeit.
Für mich ist es ein stiller, heiliger Ort, an dem sich unsere Seelen begegnen. 💕